F O K U S S A M M L U N G H A C K E L S B E R G E R
Dem Sammeln liegen unterschiedliche Motive und Bedeutungen zugrunde – es ist eine Leidenschaft, die nicht einfach in Worte zu fassen ist, weil sie eine persönliche und emotionale Verbindung zur Kunst herstellt, die über das reine Besitzen hinausgeht. Sammeln ist eine menschliche Eigenschaft, die oft die Persönlichkeit der Sammlerinnen und Sammler widerspiegelt. Sie erzählt auch etwas über das Verhältnis von Kunst und Leben. Deshalb findet an bestimmten Orten eine Auseinandersetzung mit Kunst und den Dingen im Leben statt.
Die privaten Räume, in denen die zusammengetragenen Werke präsentiert werden, sind zugleich reflexive Räume der Öffentlichkeit, die in einen offenen Dialog treten. Ihr Zugang trägt zu gesellschaftlichen Begegnungen und Diskursen bei, die nicht zu unterschätzen sind. Die Sammlung Hackelsberger, die in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, wird abwechselnd an mehreren Orten präsentiert. Dazu gehört das _____ a p a r t m e n t, das anlässlich von Kunstereignissen wie der Berlin Art Week für ein Publikum geöffnet wird. Dort ist Kunst mehr als nur ein Gestaltungselement.
Neu ist das persönliche _____c a b i n e t in Berlin-Mitte. Darüber hinaus sind durch regelmäßige Ausleihen aus dem Sammlungsbestand Institutionen als Orte für Zusammenarbeit e l s e w h e r e entstanden. Die Sammlung Hackelsberger ist gleichzeitig Teil des Art’Us Collectors‘ Collective, einem Sammlerkollektiv, dass sich der Unterstützung und Förderung zeitgenössischer Kunst verschrieben hat und seine Werke gemeinsam einem breiten Publikum zugänglich macht.
Der konzeptuelle und zeitliche Bezug zum Medium der Fotografie bildet den Schwerpunkt der Sammlung Hackelsberger. In der Sammlung sind vor allem jüngere zeitgenössische Fotokünstlerinnen vertreten. Sie experimentieren mit fotografischem Material, erweitern das Medium durch Mehrfachbelichtungen oder kameralose Fotografie und nutzen analoge und digitale Verfahren. Häufig handelt es sich um fotokünstlerische Positionen, die aus mehr als einem Bild bestehen. Nicht nur (neue) Reproduktionstechniken sind für die Verbreitung fotografischer Bilder relevant, sondern auch ihre Weiterverwendung in Videos, Skulpturen oder Leuchtschriften. Bei der Annäherung an das Medium bzw. dem Interesse daran spielen die sich ständig wandelnde Fotografie sowie die vielfältige Beziehung zu Realität und Medium selbst eine entscheidende Rolle. Dies steht im Fokus der Sammlung. Die künstlerischen Positionen verbindet – bewusst unbewusst eine Hinwendung zum Wandel und zu Transformationen von Identitäten sowie den damit einhergehenden Mehrdeutigkeiten. Darüber hinaus reflektieren die Künstlerinnen und Künstler über noch nicht konstruierte Gesellschaften – damals, später und heute.
Die Frage, was ein Fotokunstwerk ausmacht, eröffnet auch das Gespräch mit der Sammlung sowie mit dem persönlichen Blick von Alexandra Hackelsberger – ähnlich wie die Beschäftigung der Künstlerinnen und Künstler mit medienreflexiven Konzepten zwischen Subjektivität und Objektivität. Dabei handelt es sich häufig um eine fotokünstlerische Praxis, die auf Recherchen basiert und Fragen nach gesellschaftlichen Selbstbespiegelungen aus Perspektive einer feministischen Haltung und Handlung stellt. Diese dialogische, zeitumspannende und oftmals unerwartete fotokünstlerische Formsprache wird vor allem in den Porträts sichtbar. Sie zählen zu den komplexesten Genres künstlerischer Praxis und bilden einen Schwerpunkt in der Sammlung Hackelsberger. Damit wird auch deutlich, dass es sich bei diesem Medium um eine Kunstform handelt, die unsere visuelle Wahrnehmung und aktuelle Diskurse über das mediale Bild hinaus maßgeblich prägt.
Text Harald F. Theiss